So wie in Schwaben möcht ich’s immer wieder!


Ankunft in Freudenstadt nach fünf Stunden Anreise aus Köln: Gudrun Krüpers von der Arkadenbuchhandlung holt mich ab, und sofort „schwätzen“ wir wie alte Freundinnen. Vor dem Hotel setzt sie mich ab, es ist nach fünf, eine Stunde Zeit zum Frischmachen, ich muss mich umziehen für die Lesung in Pfalzgrafenweiler am Abend. 180 Gäste sind angemeldet, ich hab Lampenfieber und freue mich zugleich.
Die Tür zum Hotel ist verschlossen. Freitags Ruhetag.
Es ist kalt und es nieselt. „Halt! Warte!“ Wild gestikulierend halte ich Gudrun auf, die eben vom Parkplatz fahren will.
Sie ruft die Nummer an, die an der Glastür klebt, niemand meldet sich. Ein Frau kommt über den Platz gelaufen. Was sie sagt, klingt für ostwestfälische Ohren komisch: „Isch goina do? D Omma müscht obba do soi!“ Wie bitte? Gudrun versteht die Sprache: Die nette Frau meint, es müsse jemand im Hotel sein, und das ginge ja nicht, dass keiner da sei, wenn ein Gast komme. Nebenan im Friseursalon sollen wir fragen, die wüssten Bescheid. Wissen sie aber nicht.
Dann fährt ein Auto vor, der Hotelier ist da, schließt auf, gibt mir einen Schlüssel und zeigt mir den Nebeneingang, den ich nachts benutzen soll. Dann stellt er mich in den Fahrstuhl und schickt mich nach oben. In den verwinkelten Gängen riecht es muffig. Es ist alles sauber, es ist alles uralt. Früher muss das ein respektables Haus gewesen sein, jetzt bin ich der einzige Gast. Im Zimmer reiße ich die Fenster weit auf und schaue hinaus auf eine leere Straße. Ein Hahn kräht irgendwo, immer wieder. Der Fernseher funktioniert nicht.
Im Zimmer, im Haus, im Ort – Stille. Der Teppichboden hat Spuren ungezählter Gäste. Ich ziehe meine Schuhe erst vor der Dusche aus.

Das Anwesen der Martini Werbeagentur ist beeindruckend. Karin Martini, sie hat mich engagiert, umarmt mich zur Begrüßung und sagt etwas, das super herzlich klingt. Ich verstehe kein Wort! Schwäbisch ist schwierig!
Ein Zelt haben sie aufgebaut, die geplante Gartenparty ist „wegen Wetter“ nicht möglich. Helfer, Location, Dekoration, Büffet, Getränke und Programm – alles ist perfekt! Vor allem aber beeindrucken mich die Menschen: Der einzige „Schwabe“, den ich bisher kannte, war der Kommissar aus dem Tatort. Und weil der erste Eindruck ein bleibender ist, schließe ich die „Schwaben“ als freundliche, offene Menschen ins Herz.
Gegen halb neun soll ich dran sein. Mein Lampenfieber wird heftiger, meine Hände sind feucht, die Füße kalt. Ob die Schwaben meine Satiren mögen? Treffe ich ihren Humor? Kann ich sie unterhalten? Bringe ich sie zum Lachen? Haben sie einen schönen Abend?
Ein Mann von der Presse ist da, macht Fotos, schwätzt mit den Veranstalterinnen, mit dem Zauberer Alexander Farrelli, der später eine tolle Show hinlegen wird, mit mir.
Gleich gehts los.
Das große Zelt ist voll, bis auf den letzten Platz besetzt, manche stehen sogar im Eingang. Ich schaue in gespannte Gesichter, jetzt ist das Lampenfieber weg, jetzt freu ich mich nur noch.
Solche Lesungen möchte ich jede Woche haben!
Das Publikum ist super, ich fühl mich wohl auf der Bühne, wir lachen zusammen, es gibt viel Beifall, auch mittendrin, es ist wunderbar.
Später sind alle Bücher restlos verkauft und ich fange mit einer Lieblingsbeschäftigung an: Widmungen schreiben.
Wenn die Zuschauer Schlange stehen, um ihre Bücher signieren zu lassen, dann ist das ein Moment, der mich für viele einsame Schreibstunden belohnt: Wenn ich mit ihnen sprechen kann, in die Augen sehe, die Freude höre, Komplimente bekomme – was will ich mehr?
Gudrun Krüpers nimmt eine lange Liste mit Vorbestellungen entgegen, ich lerne viele Menschen kennen – und am Abend, im Hotel, bin ich glücklich und müde und dankbar, dass ich einen so wunderbaren Beruf habe.
Danke, Schwaben, das war Spitze!

5 Antworten auf „So wie in Schwaben möcht ich’s immer wieder!“

    1. Rechts kannst du anklicken, dass dir Carla Berling gefällt. Und unter jedem Artikel gibt es den Facebook- „share“ Button. Den finde ich besser als ein „gefällt mir“ denn ich lebe davon weiterverbreitet zu werden. Okay?

  1. wir hatten einladungen zu dieser veranstaltungen und waren restlos begeistert von dem ganzen abend….der service das essen und die unterhaltung und vorallem die buchvorlesung war so unterhaltsam….ein rundum gelungener abend 🙂 danke fürs Kommen frau Berling….und wir Schwaben sind scho a nettes volk, trotz dem dialekt 🙂 gruss, c.götz

  2. Es war ein super gelungender Abend. Bin happy, dass wir dabei sein konnten.
    Danke an Alle Verantwortlichen. Die Lesung (und alles andere auch) war einfach der Hammer…

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